Modul 3: Liebe
Gerhart Hauptmann: Bahnwärter Thiel
Tschu-tschu-tschu macht die Eisenbahn und begräbt unter sich alles, was dem Bahnwärter Thiel lieb und teuer ist. In diesem Werk des Naturalismus bricht der Zug als Symbol für die Industrialisierung in die bisher gekannte Ordnung der Menschen. Für Thiel symbolisieren die Gleise gleichzeitig die Grenze zwischen seinen beiden säuberlich getrennten Welten: seinem Bahnwärterhäuschen, in dem er seiner geliebten verstorbenen Minna huldigt und sich bis zur Trance nach ihr verzehrt. Und seiner Hütte mit seiner neuen Frau Lene, die er aus pragmatischen geheiratet hat, um seinen Sohn Tobias versorgt zu wissen – und der er körperlich völlig verfallen ist. Diese Spaltung und Zersplitterung Thiels sowie seine situative Sprachlosigkeit enden schlussendlich fatal.
Gemeinsam werfen wir einen genaueren Blick auf die unterschiedlichen Ausprägungen von Thiels Liebe: der vergeistigt-idealisierenden, der triebhaft-pragmatischen und der beispiellosen zu seinem Sohn. Auch der Entfremdung als Folge der Industrialisierung und des technologischen Fortschrittes werden wir uns widmen – und einen Exkurs zum Thema „Die Liebe in Zeiten der Digitalisierung“ wagen.
Zeit & Ort: Sonntag, 7. Juni, 10.00-14.00, Praxis-Stüberl Harrachstraße
Kostenbeitrag: 25€ – für das leibliche Wohl ist gesorgt, Unterlagen werden zur Verfügung gestellt
---------------------------
INFO - Literarisches Philosophicum: Die großen Quellen
Viele Texte des deutschen Literaturkanons erzählen von den Irrungen und Wirrungen des menschlichen Daseins, denen oft ein Ungleichgewicht der großen Quellen – Weisheit, Erkenntnis, Liebe und Ordnung – zugrunde liegt. Im Philosophicum werden wir uns mithilfe von literarischen Klassikern an das Konzept dieser Glaubenspolaritäten herantasten. Dabei werden wir der ehrfurchtsvollen Schwere, die manchen dieser Lektüren anhaftet, mit einer neugierigen Leichtigkeit begegnen und uns in die Tiefen und Höhen dieser Meisterwerke vorwagen. Und wiewohl es sich dabei um patriarchale Schöpfungen handelt – von Männern verfasst, nach Männern benannt –, werden wir ihnen jedes Quäntchen Universalismus abringen, um das Kleine im Großen und das Allgemeine im Besonderen sichtbar zu machen.
Methodisch werden wir uns den Werken auf verschiedene Arten annähern, etwa durch kurze Impuls-Vorträge, gemeinsame Lektüre und Diskussion von Schlüsselstellen. Auch der kreativen Auseinandersetzung mit den Inhalten sowie ihrer Verknüpfung mit eigenen Vorstellungen und Werten geben wir Raum. Zudem werden wir immer wieder strukturelle und systemische Frage- und Problemstellungen reflektieren – zum Beispiel in Form von kleinen Aufstellungen mit Figuren und Coaching Disc – und uns der Frage widmen, wie wir all das neue Wissen gut für uns und unsere Arbeit mit anderen Menschen integrieren können.
Die Module können selbstverständlich auch einzeln besucht werden. Formale Voraussetzungen gibts freilich keine, wobei es durchaus Sinn macht, sich die Werke vorab zumindest in Form von „Sommers Weltliteratur to go“ zu Gemüte zu führen – vergnüglich nach-, auf- und dargestellt mit Playmobil-Männchen und -Weibchen. Links und Tipps zur freiwilligen Vorbereitung wird es in einer Nachricht rund zwei Wochen vor dem jeweiligen Termin geben. Insbesondere für die Module 1 und 2 gilt: Bitte keinesfalls von der mitunter unzugänglichen Sprache abschrecken lassen – gemeinsam bezwingen wir die alten Meister! :)
| Preis p. Teilnehmer:in | € 25,00 |
|---|---|
| Termin am | 07.06.2026 10:00 - 14:00 Uhr |
| Preis p.P | € 25,00 |