Literarisches Philosophicum: Die großen Quellen
Viele Texte des deutschen Literaturkanons erzählen von den Irrungen und Wirrungen des menschlichen Daseins, denen oft ein Ungleichgewicht der großen Quellen – Weisheit, Erkenntnis, Liebe und Ordnung – zugrunde liegt. Im Philosophicum werden wir uns mithilfe von literarischen Klassikern an das Konzept dieser Glaubenspolaritäten herantasten. Dabei werden wir der ehrfurchtsvollen Schwere, die manchen dieser Lektüren anhaftet, mit einer neugierigen Leichtigkeit begegnen und uns in die Tiefen und Höhen dieser Meisterwerke vorwagen. Und wiewohl es sich dabei um patriarchale Schöpfungen handelt – von Männern verfasst, nach Männern benannt –, werden wir ihnen jedes Quäntchen Universalismus abringen, um das Kleine im Großen und das Allgemeine im Besonderen sichtbar zu machen.
Methodisch werden wir uns den Werken auf verschiedene Arten annähern, etwa durch kurze Impuls-Vorträge, gemeinsame Lektüre und Diskussion von Schlüsselstellen. Auch der kreativen Auseinandersetzung mit den Inhalten sowie ihrer Verknüpfung mit eigenen Vorstellungen und Werten geben wir Raum. Zudem werden wir immer wieder strukturelle und systemische Frage- und Problemstellungen reflektieren – zum Beispiel in Form von kleinen Aufstellungen mit Figuren und Coaching Disc – und uns der Frage widmen, wie wir all das neue Wissen gut für uns und unsere Arbeit mit anderen Menschen integrieren können.
Die Module können selbstverständlich auch einzeln besucht werden. Formale Voraussetzungen gibts freilich keine, wobei es durchaus Sinn macht, sich die Werke vorab zumindest in Form von „Sommers Weltliteratur to go“ zu Gemüte zu führen – vergnüglich nach-, auf- und dargestellt mit Playmobil-Männchen und -Weibchen. Links und Tipps zur freiwilligen Vorbereitung wird es in einer Nachricht rund zwei Wochen vor dem jeweiligen Termin geben. Insbesondere für die Module 1 und 2 gilt: Bitte keinesfalls von der mitunter unzugänglichen Sprache abschrecken lassen – gemeinsam bezwingen wir die alten Meister! :)
Modul 1: Weisheit
Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise
Ganz unbescheiden starten wir direkt in medias res und beginnen mit Lessings „Nathan der Weise“. Der Text gilt als Schlüsselwerk der Aufklärung, einer Epoche, die unsere gesellschaftlichen Wertvorstellungen bis heute maßgeblich prägt. Wir werfen daher zunächst einen kurzen Blick auf die Merkmale und Besonderheiten der europäischen Aufklärung und ihre Auswirkung auf unser kollektives und individuelles Denken, Handeln und Empfinden.
Nach einem kurzen Abstecher zum renommierten Rädelsführer der Epoche – Kant heißt er, Selbstermächtigung preist er – widmen wir uns dem weisen Nathan und seiner bewegten Biografie. Wir wagen uns an die Quelle von Nathans Weisheit und ergründen, ob er seinen Beinamen zurecht trägt oder nur ein weiterer Einfältiger im Guru-Pelz ist. Die Auseinandersetzung mit der Ring-Parabel hilft uns dabei, unsere Welt im gleichermaßen pragmatischen wie pathetischen All-eins-(s)ein zu begreifen und die zeitlose Frage zu stellen, was unsere Taten denn tatsächlich ausmacht: die Handlung an sich oder die Absicht dahinter?
Zeit & Ort: Sonntag, 19. April, 10.00-14.00, Praxis-Stüberl Harrachstraße
Kostenbeitrag: 25€ – für das leibliche Wohl ist gesorgt, Unterlagen werden zur Verfügung gestellt
| Preis p. Teilnehmer:in | € 25,00 |
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| Termin am | 19.04.2026 10:00 - 14:00 Uhr |
| Preis p.P | € 25,00 |